Steigert der Einsatz von BIM Ihre Produktivität?

Es ist leicht, auf eine Frage kurz und knapp mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten. Eine etwas ausführlichere Antwort zu erhalten, wäre gerade in diesem Fall wünschenswert.
Was bedeutet im Zusammenhang eines BIM-Projektes eigentlich Produktivität oder die Steigerung der Produktivität?

Zitat Wikipedia: Produktivität ist eine wirtschaftswissenschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis zwischen produzierten Gütern/Dienstleistungen und den dafür benötigten Produktionsfaktoren beschreibt. Der Faktor wird über Formeln ermittelt:
• Arbeitsproduktivität = Output/Input
• Maschinenproduktivität = Ausbringungsmenge/Eingesetzte Maschinenstunden
• Materialproduktivität = Ausbringungsmenge/Einsatzmenge

Wenn wir jetzt ein BIM-Projekt betrachten, werden uns im Laufe des BIM-Prozesses alle drei Formen der Produktivität begegnen. In der Entwicklungs- und Planungsphase haben wir es im Schwerpunkt mit der Arbeitsproduktivität zu tun und in der Bauausführungsphase mit allen drei Formen. Aber wenn wir den BIM-Prozess betrachten, ist eine Aussage über die Produktivität nicht vordergründig relevant. Ein Prozess hat einen konkreten Ablauf, der eingehalten werden soll. Eine punktuelle Abweichung vom BIM-Prozess bedeutet aber noch lange nicht, dass dadurch automatisch die Produktivität schlechter wird. Genauso gut kann es passieren, dass aufgrund der Abweichung die Produktivität steigt. Somit ist eine Antwort „Nein“ auf die Eingangsfrage durchaus korrekt.

Trotzdem ist es eine Überlegung wert, ob und wie man in den einzelnen Phasen des BIM-Prozesses eine Steigerung der Produktivität erreichen kann. Wenn man ein BIM-Projekt erfolgreich abgewickelt hat, geht man davon aus, dass am Ende des Projektes ein Gebäude perfekt erstellt wurde und dass das BIM-Modell bei der Übergabe an die Gebäudebewirtschaftung exakt den gleichen Inhalt in digitaler Form aufweist. Ob der Zeitaufwand, der Maschinenaufwand und der Materialaufwand angemessen waren, steht erst einmal nicht zur Diskussion. Aber gerade über diese Faktoren erhalten wir eine Aussage über die Produktivität. Produktivität verbessern heißt für mich, im Detail an diesen Stellschrauben zu drehen.

Arbeitsproduktivität
Arbeitsproduktivität lässt sich nicht steigern, wenn Menschen noch schneller und noch mehr arbeiten. Unzufriedene Menschen werden nicht produktiver. Eher das Gegenteil wird der Fall sein.
Die Arbeitsproduktivität lässt sich aber während des gesamten BIM-Prozesses verbessern. Die Methodiken Kanban, Lean Construction und Last Planner® gibt es bereits länger. Der Einsatz der Methodiken verbessert die Produktivität der Arbeit. Der BIM-Prozess erfordert eine durchgängige digitale Arbeitsweise. Sie müssen nicht nur die angesprochenen Methoden einsetzen, sondern diese im BIM-Prozess digital einsetzen. Von Digital auf Papier und dann wieder von Papier auf Digital ist nicht zielführend. Und wenn schon digital, dann sollten Sie sich überlegen, auch die Zahl der Emails und der Telefonate zu reduzieren. Das steigert ebenfalls die Produktivität.

Maschinenproduktivität
In der Entwicklungs- und Planungsphase benötigen Ihre Mitarbeiter vernünftige Computer und Softwareprodukte, die entlasten und nicht belasten. Ihre IT muss ebenfalls für entsprechende Server und Kommunikationsverbindungen sorgen. Sie machen den Job. Die IT ist Ihr Dienstleister.
In der Bauphase müssen Sie dafür sorgen, dass die notwendigen Maschinen und Werkzeuge rechtzeitig bereitgestellt werden und einsatzfähig sind.
Materialproduktivität
Wenn in der Planungsphase alle Bauteile korrekt erstellt und beschrieben worden sind, dann müssen sie nur noch in der Bauphase am richtigen Ort zur richtigen Zeit bereitgestellt werden.

Beraterproduktivität
Vielleicht lohnt es sich auch für Sie, Ihre Berater und deren Konzepte im Hinblick auf die Produktivität zu prüfen. Kennen sich Ihre Berater mit Kanban, Lean Construction, Last Planner und BIM aus? Und wenn ja, beherrschen sie auch die digitale Umsetzung? Wollen Ihnen die Berater nur Softwareprodukte, Beratungen und Crash-Kurse verkaufen oder sind sie auch bereit, Ihnen im gesamten Einführungsprozess oder bei der Steigerung Ihrer Produktivität als Coach zur Seite zu stehen?

Managerproduktivität
Die Einführung von BIM ist ein Kulturwandel. Die Steigerung der Produktivität ist ebenfalls mit einem Kulturwandel verbunden. Sind Sie als Manager bereit diesen großen Kulturwandel aktiv anzugehen und aktiv zu unterstützen?
Zur Einstimmung sind Crash-Kurse oder die Teilnahme an einer Praxiswerkstatt interessant, wenn dort nicht gerade die Bedienung einer CAD-Software oder der IFC-Datenaustausch im Vordergrund stehen. Aber danach ein BIM-Projekt zu starten und dann nach einem Berater zu rufen, wenn die Datenflut Sie erschlägt, ist auch nicht unbedingt der richtige Weg.
Solange Ihr BIM-Berater nichts von Lean Construction und Ihr Lean Construction Berater nichts von BIM versteht und beide keine ausreichenden IT-Kenntnisse haben, benötigen Sie eigentlich mehrere Berater. Das erleichtert Ihnen als Manager nicht unbedingt, Entscheidungen zu treffen. Die Einführung von BIM und von Lean Construction können Sie nicht unendlich oft in Ihrem Unternehmen starten. Ihre Teams können Sie nicht unendlich oft begeistern.

Umsetzung der Produktivitätssteigerung
Momentan haben sind in vielen Ländern die Menschen in der Bauindustrie ausgelastet. Die Auftragslage ist gut. Mit einer verbesserten Produktivität könnten Sie mehr Projekte umsetzen. Noch schieben Sie die Einführung von BIM und neue Arbeitsmethoden vor sich her. Wenn die Auftragslage nicht so gut ist, werden nur die Unternehmen überleben, die wissen, wie man an den Stellschrauben der Produktivität drehen und mit geringeren Margen das Überleben des Unternehmens sichern kann.

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