Kann ich den BIM-Prozess mit der CPM-Methode organisieren?

In meinem Artikel betrachte ich die 5 BIM-Phasen unter dem Aspekt der digitalen Projekt-Organisation. In vielen Diskussionen geht es zum Thema BIM meist darum, die digitalen technischen Modell- und Objekt-Daten durchgängig zu nutzen. Aber BIM selbst verlangt geradezu danach, anders und besser digital organisiert zu werden.

In allen Bereichen des Lebens greift die Digitalisierung um sich. Die Digitalisierung im Bauwesen bezeichnen wir als Building Information Modelling, kurz BIM. BIM betrachtet ein Gebäude in den 5 Phasen: Entwicklung, Planung, Erstellung, Bewirtschaftung und Abriss. Die Mehrzahl der Kollegen aus der BIM-Fraktion integriert das Computer Aided Facility Management kurz CAFM komplett mit in die BIM-Strategie. Ein Teil der CAFM-Fraktion wehrt sich zurecht dagegen. Es kommt wie immer auf den Blickwinkel an. BIM betrachtet ein einzelnes Gebäude über den kompletten Lebenszyklus während CAFM die Summe von Gebäuden eines Unternehmens betrachtet. Die Digitalisierung verzahnt jetzt die Datenströme miteinander. Bisher hat jeder in seinem Segment, nur immer die Daten betrachtet, die er benötigt. Die Digitalisierung macht es aber erforderlich, dass sich jeder an der Erstellung und Datenpflege dort beteiligt, wo er zuständig ist.

Die Digitalisierung in der Bauindustrie läuft aber nicht vollautomatisch. Der große BIM-Prozess muss organisiert werden. Bisher konnte jeder in seinem Bereich die Organisation seiner Prozesse losgelöst von den anderen Bereichen vornehmen. Wenn aber schon die Objekte und die Daten komplett digital und durchgängig erzeugt und verarbeitet werden, müssen zukünftig die Prozesse ebenfalls durchgängig digital gesteuert werden. Betrachten wir einmal den Status Quo der 5 Phasen im Hinblick auf die digitale Projektorganisation.

Bevor ich die einzelnen Phasen betrachte, füge ich an dieser Stelle Begriffserklärungen ein.
CPM: Critical Path Methode. Die Methode des kritischen Pfades finden wir in Produkten wie zum Beispiel Microsoft Project und anderen.
Lean Construction: Lean Construction ist die Abwandlung der KANBAN Technologie für das Bauwesen. Die Planung erfolgt mithilfe eines manuellen Whiteboards im Besprechungsraum. Zu Beginn einer Arbeitswoche versammeln sich alle im Besprechungsraum und planen gemeinsam die Arbeit für die anstehende Woche.
LSP Last Planer Methode: Die LSP Methode betrachtet zuerst das Projekt in einer Grobstruktur. Das Projekt wird dann nach und nach auf die zu erledigen Jobs in einer Arbeitswoche heruntergebrochen.

5phasen

In der Phase 1 (Entwicklung) organisieren die „Bauwilligen“ (Bauherren, Unternehmen, Investoren, …) zukünftige Bauprojekte mithilfe von Excel-Tabellen. Die Gegenüberstellung von Nutzen, Kosten, Ertrag, … lässt sich am besten mit einer oder mehreren Tabellen bewältigen. Bei einer groben Zeitplanung kommen hin und wieder MS Project oder ähnliche Produkte zum Einsatz. Die Kommunikation läuft über Projetbesprechungen und über MS Outlook.

In der Phase 2 (Planung) organisiert der Projektleiter eines Planungsbüros meist die Projekte mit MS Outlook. Ein echtes digitales Zeitmanagement findet nicht statt. Es gibt viele und regelmäßige Projektbesprechungen mit dem Bauherrn und den anderen beteiligten Planern sowie viele E-Mails.

In der Phase 3 (Erstellung) geht es meist digital koordinierter zu. Dort werden regelmäßig Projektepläne erstellt. Wenn Sie ein Planungsbüro oder Bauunternehmen besuchen, fallen Ihnen sofort die Balkendiagramme an den Wänden in den Büros oder in den Besprechungsräumen auf. Es gibt bei der Erstellung eines Gebäudes konkrete Reihenfolgen, die eingehalten werden müssen. Zuerst kommt die Fundamentplatte, dann die Wände und Stützen und danach die Decke. In dieser Phase funktioniert einzig und allein die CPM-Methode. Sie funktioniert so lange, bis es zu mehreren unvorhersehbaren Ereignissen kommt. Dann ist es dringend erforderlich, dass die Pläne in MS Project aktualisiert werden. An dieser Stelle frage ich nicht nach, ob dies wirklich immer geschieht. So haben diverse Bauunternehmen das Thema Lean Construction für sich entdeckt.

In der Phase 3,5 ….. halt! Diese Phase soll es eigentlich nicht geben! Für mich ist es die Phase der Mängelfeststellung und Mängelbeseitigung. Hier findet nur eine bedingte digitale Projektorganisation statt. Für die Mängelfeststellung und Mängelbeseitigung gibt es einige Softwareprodukte, die eigentlich in dieser Form überflüssig wären, wenn eine über alle Phasen durchgängige digitale Projektorganisation angewandt werden würde. Die Mängelbeseitigung kann und sollte im Rahmen einer digitalen Projektorganisation komplett mit integriert werden. Dazu gehört auch die notwendige Dokumentation.

In der Phase 4 (Bauunterhaltung) liefern die meisten CAFM-Systeme eine Vielzahl von digitalen Prozessabwicklungen zum Beispiel für Wartung und Instandhaltung. CAFM-Systeme funktionieren nicht ohne eine Datenbank. Projektpläne oder eine Projektorganisation in dem Sinne findet meist nicht statt. Größere Umbaumaßnahmen oder Sanierungen (Rücksprung in Phase 2) werden von den Unternehmen mithilfe von externen Planungsbüros durchgeführt. In diesem Fall nehmen dann die Facility Manager wieder an den unzähligen Projektbesprechungen teil und bekommen diverse E-Mails mit Informationen zugesandt. Dies setzt sich dann auch in der Erstellung (Rücksprung in Phase 3) fort.

In der Phase 5 (Abbruch) finden wir dann hin und wieder Produkte wie MS Project. Der Plan wird aber meist einmal aufgestellt und dann nicht gepflegt. In sehr schwierigen Projekten, wie zum Beispiel dem Abriss eines Kraftwerks, greifen immer mehr Unternehmen auf die LSP-Methode zurück.

Kommen wir zurück zu meiner Eingangsfrage: „Kann ich den BIM-Prozess mit der CPM-Methode organisieren?“ Die Antwort darauf kann nur „Nein“ lauten. In Deutschland findet BIM immer mehr Anhänger. Diejenigen, die bereits die Gelegenheit hatten, an BIM-Projekten teilzunehmen, haben festgestellt, dass sich im Rahmen der Projekte die Zusammenarbeit bereits geändert hat. Aber die Organisation der BIM-Projekte läuft immer noch mit den alten IT-Werkzeugen und den gewohnten Strategien ab. Auch das kann besser digital organisiert werden.
Die digitale Projektorganisation spart noch mehr Zeit, die Zahl der Projektbesprechungen sinkt noch einmal signifikant und die Projekte werden im Sinne von BIM transparenter und effizienter organisiert.

Wenn Sie die Effizienz Ihrer Projekte steigern wollen und ein Interesse daran haben, Zeit und Geld zu sparen, dann helfe ich Ihnen gern weiter.

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