Fehlt uns der Mut zur Digitalisierung im Norden?

Auf vielen Veranstaltungen werden uns Beispiele gezeigt, wie Unternehmen mit ihrem Start in die Digitalisierung begonnen haben. Die Zahl der ermutigenden Beispiele hat zugenommen, aber ein Durchbruch ist noch nicht erreicht und es ist noch ein langer Weg, bis die Digitalisierung zum Tagesgeschäft gehört, beziehungsweise alltäglich geworden ist.

In den Medien beschwören unsere Politiker landauf, landab, dass die Digitalisierung zukünftig unverzichtbar ist. Die Bürger hören dies nun bereits ständig seit über zwei Jahren. Nur wann geht es denn jetzt los?

Deutschland ist das Land der Normen, der Richtlinien, der Vorschriften und der Reglementierungen. Ganz ohne Standards wird es auch in vielen Bereichen der Digitalisierung nicht funktionieren, auch beim BIM nicht. BIM ist ein sehr komplexes und umfassendes Thema. Aber für Deutschland bedeutet dies erst einmal viel darüber reden und diskutieren, Regeln und Standards bis ins letzte Detail perfektionieren und dann erst einmal abwarten, bis die Obrigkeit Gesetze formuliert hat und die Nutzung von BIM vorschreibt. Solange heißt es abwarten und beobachten und wieder die nächste Veranstaltung besuchen, auf der es dann vielleicht einmal neue Argumente und Beispiele gibt. Und vor allen Dingen dann die Fragen stellen: „Wann kommt BIM?“ oder „Wann muss ich mit BIM arbeiten?“

Bei diesen letzten beiden Fragen muss ich immer ein wenig schmunzeln. Auf die Frage „Wann kommt BIM?“ kann ich nur antworten „Wenn Sie damit beginnen.“ Auf die Frage „Wann muss ich mit BIM arbeiten?“ kann ich nur antworten „Keiner wird gezwungen mit BIM zu arbeiten. Aber es wird nach und nach immer mehr Bau- und Infrastrukturprojekte geben, bei denen die Länder, die Städte, die Kommunen, die Unternehmen und Investoren den Einsatz von BIM zur Teilnahme an den Projekten zur Bedingung machen.“

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit dem Entschluss, ab 2020 nur noch Bau- und Infrastrukturprojekte mithilfe von BIM umzusetzen ein starkes Signal gegeben. Dies ist ein interessantes Leuchtturmprojekt, das im entfernten Berlin steht und leuchtet. Der Bund hat aber auch ganz klar signalisiert, dass er selbst für sich BIM einsetzt und es anderen nicht vorschreiben wird. Wir Deutschen warten aber nur zu gern auf Vorschriften und Reglementierungen. Für die meisten Unternehmer ist es nur schwer vorstellbar, dass sie jetzt eine Entscheidung treffen sollen, in ihrem Unternehmen einfach so und ohne Vorschrift und Not mit BIM zu beginnen.

Wie wäre es denn, wenn eine Stadt oder ein Land im Norden das nächste Bau- oder Infrastrukturprojekt mit BIM organisiert?

Es wäre ja geradezu revolutionär, wenn unsere Politiker im Norden vor Ort einfach einmal handeln würden und nicht nur ständig über die Digitalisierung reden. Im ersten Moment würden auch die örtlichen Planer, Bauunternehmen und Handwerker aufgeschreckt und nicht wissen, wie sie reagieren sollen.

Mit solchen Aktivitäten hätten wir aber zwei Dinge erreicht. Erstens würden endlich die Politiker praktisch mit unseren Steuergeldern die Digitalisierung nach vorn bringen und nicht nur darüber reden. Zweitens würden dann die Unternehmen aus der Bauindustrie vor Ort den kleinen entscheidenden Schritt machen, in ihren Unternehmen mit der Digitalisierung zu beginnen.

Wir hätten ebenfalls noch einen dritten Schritt erreicht. BIM ist ein Kulturwandel für alle, die an einem Bau- oder Infrastrukturprojekt beteiligt sind. Wir alle müssen diesen Kulturwandel aktiv und positiv annehmen. Dies gilt für Bauherren, Investoren, Planer, Bauunternehmen und alle, die am Projekt mitmachen. Für die meisten wird es eine Herausforderung sein, die alten Verhaltensmuster zu überdenken, sie zu ändern und vor allen Dingen auch so zu handeln.

Sehen wir einmal das Positive. Bei einem kommunalen Projekt hat noch keiner der Beteiligten einen konkreten Plan, wie es denn mit BIM oder mit der Digitalisierung funktionieren soll. Das sind doch gute Voraussetzungen für alle gemeinsam zu lernen und den Kulturwandel anzugehen. Gebaut wird das Gebäude sowieso und es gibt genügend Bauprojekte, bei denen Geld verschwendet wird. Warum sollten dann die Beteiligten nicht einfach einmal gemeinsam mit BIM beginnen. Nach dem ersten Projekt, werden alle weitermachen wollen.

Ganz ohne Hilfe von außen geht es vielleicht nicht. Ich selbst bin kein BIM-Berater. Ich berate Softwarehersteller, Berater und Investoren zu den Themen BIM, CAFM und AR. Wenn Sie zu denjenigen gehören, die mit der Digitalisierung beginnen und nicht mehr nur darüber reden wollen, helfe ich Ihnen gern weiter. Wir werden eine passende Lösung für Sie finden.

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