Die 5 BIM-Phasen

Vielen Dank für Ihre Zuschriften und Kommentare zu meinem letzten Artikel „Kann ich den BIM-Prozess mit der CPM-Methode organisieren?“. Wunschgemäß gehe ich noch einmal ausführlicher auf die Phasen ein. Ich habe meine Grafiken ein wenig verfeinert.
Sie haben recht, dass meine Grafik eine vereinfachte Darstellung ist und dass die einzelnen Phasen und deren Übergänge etwas umfangreicher sind. Mein Ziel war es, diese Phasen im Hinblick auf das Projektmanagement und die Umsetzung in digitaler Form aufzuzeigen.
Die Phasen selbst haben eigentlich erst einmal nichts mit BIM zu tun. Die Arbeitsabläufe sind gelebte Normalität. Wenn wir jetzt diese einzelnen Phasen als digitale durchgängige Prozesse abbilden, dann bezeichnen wir das Ganze als Building Information Modelling. Alle Daten und Informationen, die im Laufe des BIM-Prozesses entstehen, fließen in das digitale Modell eines Gebäudes und Bauwerkes mit ein und stehen dann in jeder Phase des BIM-Prozesses den jeweiligen handelnden Personen zur Verfügung. Vor 30 Jahren habe ich mich bereits mit diesen Fragestellungen beschäftigt, aber erst jetzt haben wir die meisten Komponenten, die uns eine digitale Durchgängigkeit erlauben, zur Verfügung. Ich sage bewusst „die meisten“, denn nicht nur die Einführung von BIM erfordert eine kontinuierliche Perfektionierung der Unternehmen, sondern ebenfalls eine Perfektionierung der digitalen Werkzeuge. Beide Faktoren tragen zu einer Perfektionierung des digitalen Datenpaketes eines Gebäudes bei. Das ist mein Ziel und Sie sollten es sich auch zum Ziel setzen.
Warum habe ich in mein Diagramm nicht als Kreisdiagramm erstellt? Die bei uns momentan gebräuchlichsten Diagramme im Zusammenhang mit BIM sind meistens kreisförmig. Ein Kreis mit Pfeilsymbolen stellt gut einen ständigen Kreislauf und immer wiederkehrende Prozessschritte dar. Es fehlt aber die konsequente Darstellung der Zeit als kontinuierlich verlaufende Achse. Deshalb wähle ich immer eine Darstellung, die die Zeit mit einbezieht. Die Zeitachse auf meinem Diagramm ist in hellblau dargestellt. Sie symbolisiert auch den Werdegang eines Unternehmens, das über mehrere Gebäude verfügt. Jedes Gebäude hat einen eigenen BIM-Prozess.
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Phase 1 – Entwicklung – Neubau
Sobald ein Unternehmen überlegt, ob es ein neues Gebäude errichten soll, beginnt bereits der BIM-Prozess. Es entstehen Daten und Informationen in digitaler Form. Aus diesem digitalen Paket entwickeln die Planer später ein digitales Modell. Irgendwann in dieser Phase wird aus dem unternehmensinternen Prozess unter der Einbeziehung der Planer ein externer Prozess. Die Entwicklungsphase geht in einem fließenden Übergang in die Planungsphase über. Der kontinuierliche Austausch zwischen Entwicklern und Planern kann deshalb nicht mit der CPM-Methode unterstützt werden.
Phase 2 – Planung – Neubau
Das Unternehmen hat ein externes Planungsbüro beauftragt, das wiederum mit unterschiedlichen Fachplanern zusammenarbeitet. Das digitale Gebäudemodell entsteht und das Daten- und Informationspaket wächst kontinuierlich. Der konsequente Einsatz von BIM sorgt dafür, dass das dreidimensionale Gebäudemodell bis ins Detail komplett fertiggestellt ist, bevor die Erstellungsphase beginnt. Das komplette digitale Paket wird dann dem Ersteller übergeben. Dies ist ein Bruch mit der gelebten Praxis, den die komplette Bauindustrie vollziehen muss.
Phase 3 – Erstellung – Neubau
Dem digitalen Paket werden weitere Daten und Informationen hinzugefügt. Der Neubau ist fertiggestellt. Das digitale Paket ist auf dem aktuellen Stand.
Phase 4 – Nutzung – Neubau
Der Übergang in die Nutzungsphase ist wieder ein wenig fließend. Da geht der BIM-Prozess wieder von extern nach intern über. Dank des Einsatzes von BIM haben wir keine Baumängel, die aus Planungsfehlern entstanden sind. Die Zahl der Nachträge konnte auf ein Minimum reduziert werden. Die geringe Zahl von Baumängeln wird abgearbeitet. Der mit Unterstützung des digitalen Modells geplante Erstbezug findet statt. Anschließend ist das Gebäude in der Nutzungsphase des Unternehmens angekommen. Das digitale Datenpaket wird kontinuierlich weitergepflegt und ergänzt. Alle kleineren Maßnahmen, z.B. der Austausch einer Automatiktür, werden durchgeführt und ebenfalls im digitalen Paket geändert.
Phase 5 – Abriss (oder Verkauf)
Der Übergang zwischen der Nutzungsphase und dem Abriss oder Verkauf ist wieder fließend. Der Auszug der Belegschaft wird organisiert und der Abriss oder Verkauf vorbereitet. Das komplette digitale Paket des Gebäudes wird an den Abbruchunternehmer oder den Käufer übergeben. Bei einem Verkauf wird sich zukünftig ein gut gepflegtes digitales Datenpaket als Mehrwert bemerkbar machen. Der Käufer erspart sich einen entsprechenden Entwicklungs- und Planungsaufwand. Im Falle eines Verkaufes geht der BIM-Prozess des Gebäudes im Unternehmen des neuen Besitzers weiter. (Dies habe ich auf der Grafik nicht dargestellt.)
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Nun kommen wir zur Betrachtung der Phasen, wenn der Umbau oder eine große Sanierung eines Gebäudes ansteht. Der BIM-Prozess unterstützt, erleichtert und beschleunigt die Übergänge zwischen intern und extern, extern und intern sowie die Planungsphase selbst.
Phase 1U – Entwicklung – Umbau
Im Übergang von der Nutzungsphase in die Planungsphase findet ebenfalls ein Entwicklungsprozess im Unternehmen statt. Der Auszug der Mitarbeiter bekommt eine eigene Übergangsphase, die mit dem Beginn der Erstellung endet.
Hinweis: Jetzt zu diesem Zeitpunkt entscheidet sich die digitale Zukunft Ihres Unternehmens in Bezug auf die Digitalisierung der Gebäude und Liegenschaften. Wenn Ihr Gebäude bereits im Rahmen eines BIM-Modells erstellt wurde, dann werden alle Beteiligten nicht darüber diskutieren wie der Umbau umgesetzt werden soll. Spannend wird es mit Ihren Gebäuden im Bestand, die noch nicht im Rahmen eines BIM-Prozesses erstellt wurden. Diese Entscheidung fällt in der Entwicklungsphase Umbau bei der ersten großen Umbaumaßnahme!
Phase 2U – Planung – Umbau
Die Planung ist ein externer Vorgang und greift nicht in den Betrieb des Unternehmens ein. Jetzt in dieser Phase des BIM-Prozesses erweist sich das gut gepflegte und aktuelle digitale Datenpaket als echter Gewinn und als Zeitersparnis. Viele früher notwendige Aktivitäten, die den Betrieb des Unternehmens gestört haben, können jetzt entfallen.
Phase 3U – Erstellung – Umbau
Die Erstellungsphase schließt einen Teilabriss mit ein. (Dies habe ich in der Grafik nicht dargestellt.) Jetzt erweist sich die komplett abgeschlossene Planungsphase in dem BIM-Prozess als echter Kostenfaktor für das Unternehmen. Der größte Störfaktor für die Produktivität eines Unternehmens ist die Erstellungsphase im Umbau. Je kürzer sie ausfällt, desto kürzer ist auch die Unruhe und die Störung der Produktivität des Unternehmens.
Phase 4U – Nutzung – Umbau
Inhaltlich gesehen passiert hier nichts Neues gegenüber Phase 4. Deshalb verzichte ich auf eine erneute Beschreibung.
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Das Ziel ist es, das digitale Datenpaket mit den dreidimensionalen Objekt- und Gebäudedaten, mit den Informationen und Dokumentationen durchgängig durch alle Phasen immer aktuell zu halten. Das stellt an alle während des BIM-Prozesses genutzten digitalen Werkzeuge bzw. Softwareprodukte eine große Herausforderung dar. Es gibt keinen Softwarehersteller, der uns bisher eine komplette Durchgängigkeit durch alle Phasen als Alleinstellungsmerkmal bieten kann. Die Zahl der angebotenen Lösungen für die einzelnen Phasen ist groß und unübersichtlich und ebenfalls die dazu angebotenen Beratungen.
Vielfalt ist wichtig und Vielfalt ist eine große Herausforderung für die Nutzer in den Unternehmen. Ich gestalte gern die digitale Zukunft Ihres Unternehmens mit. Anfragen nehme ich jederzeit entgegen.

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